Wolfgang`s Angelseite


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2. Tag

Angelberichte > Angeln in Jämtland


Heute ist Feiertag in Schweden.

Ganz Schweden feiert Midsommer mit viel Tanz um den Maibaum und noch mehr „Sprit“. Ich verstehe langsam warum morgen alle Geschäfte geschlossen sind. Oliver (der Schwiegersohn von Hans-Eckhard) kommt zu Besuch.

Wir verstauen unsere Verpflegung und fahren zum Kvisselströmmen.

Das ist der Flussteil des Damån der in den Storsjön mündet.
Der Storsjön ist, wie es der Name schon sagt, ein großer See. Er gehört zu den 5 größten Seen Schwedens und soll der Sage nach ein Ungeheuer der Marke „Loch Ness“ beherbergen. Im Jämtli-Museum in Östersund ist auch diesem Ungeheuer eine Ausstellung gewidmet. Mit historischen Fangwerkzeugen und alte Zeitungsartikeln aus denen hervorgeht, dass man sogar mit Schweinen als Köder versucht hat das Monster zu fangen.

Kommt daher der Satz „Schwein gehabt“? Ich weiß es nicht.

Wir begnügen uns mit unseren Fliegen und Streamern.

Direkt auf der E 75 in Richtung Trondheim liegt kurz vor Mattmar das Touristbüro.
Wir fragen die junge Dame ob wir bei ihr eine Tageskarte für den Kvisselströmmen kaufen können, wir können.

Für 60 Kronen das Stück und wie immer 24 Stunden ( dygn ) gültig.

Sie wünscht uns viel Glück. Werden wir brauchen können, denn der Kvisselströmmen ist nicht einfach zu befischen.

Der Kvisselströmmen ist bis zu 700 m breit, mit tiefen Gumpen, stellenweise ruhiger fließend, teilweise mit Stromschnellen versehen, aber auf alle Fälle abwechslungs- und fischreich.

In den Årefjällen liegt noch Schnee



Die Forellen ( besonders die Großen ) ziehen vom Storsjön hier herauf um ihre Laichplätze im Damån und dessen Nebenbäche zu erreichen.
Wenn ich von großen Forellen rede, dann meine ich welche ab 10 Pfund aufwärts. Einen kleinen Überblick kann man sich in der Kartenausgabestelle in Ytterrocke verschaffen.

Auf dem Weg zu dem, nur zum Fliegenfischen zugelassenen, Teilstück des Kvisselströmmen fahren wir kerzengerade durch ein Waldstück. In der Ferne vor uns sehen wir etwas „schwarzes“ am Straßenrand laufen.

Für einen Elch zu klein und zu schmal, für einen Bär viel zu schlank.

Als wir in dem diffusen Licht näher kommen sehen wir ein blondes, weibliches Exemplar der Gattung Mensch.

Keine Strümpfe, keine Schuhe, nur ein schwarzes Kleid am Leib und ein „Six-Pack“ in der linken Hand und leicht zerzaust läuft sie am Straßenrand entlang.

Als sie uns sieht hebt sie die rechte Hand und winkt uns zu. Wir winken zurück.

Midsommer kann einem einiges abverlangen.

Wir erreichen unseren Angelplatz. Sieht gut aus. Gleich stehen wir im klaren Gebirgswasser. Noch schnell einen kurzen Blick aufs Thermometer werfen. 10 °C. Wird doch hoffentlich mal warm werden hier oben. Ist doch schließlich „Sommer“.

„Sommer“ am Kvissleströmmen.

Wir waten bei frischem Nordostwind in den Fluss hinaus.
Rein ins Vergnügen

Es ist an dem Fliegenfischerpool relativ flach, so dass ein Hinauswaten keine größeren Probleme bereitet.


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.........................Am Fliegenfischer-Pool ...............Hans-Eckhard kämpft gegen den Wind

Der Wind bildet kleine Wellen auf der Oberfläche. Kein Insekt weit und breit. An einen Schlupf ist nicht zu denken. Also müssen die Nymphen raus ins kalte Wasser.

Wir fischen eine geschlagen Stunde mit den unterschiedlichsten Nymphen ohne auch nur einen Zupfer am Vorfach zu spüren.
Selbst die Goldkopfnymphen bringen keinen Erfolg.

Trotz einer 5 mm dicken Neoprenwathose spüre ich die Kälte in meinen Beinen. Das kalte Wasser erfordert eine kleine Pause.
Am Auto legen wir eine Brotzeit ein.
Wir gehen etwas Stromab und sind überrascht hier ein Hinweisschild
für einen Trampelpfad zum Wasser zu finden.
Da auch Hans-Eckhard und Oliver kein Glück hatten beschließen wir etwas weiter Stromab zu fahren und es an einem Bacheinlauf zu versuchen.

Unterhalb der kleinen Brücke wate ich ins Wasser. Hans Eckhard geht etwas stromauf, Oliver, mit der Spinnrute und einem kleinen Meps bewaffnet, geht stromab zum Bacheinlauf an der Brücke.
Am Bacheinlauf versucht Oliver vom Ufer aus mit der Spinnrute sein Glück. Ich versuche es mit der tiefgeführten Goldkopfnymphe.

Das Wetter beruhigt sich.
Die Sonne durchbricht die Wolken. Der Sommer hält Einzug. Der Wind legt sich etwas und das Thermometer schießt auf sensationelle 15 °C nach oben.
Nach einer Weile habe ich einen zarten Zupfer auf meine braune 12-er Goldkopfnymphe.
Also wieder rauswerfen und konzentrieren und die Drift der Schnur beobachten.

Plötzlich bleibt die Schnur stehen. Ich reagiere mit einem kurzen Anhieb aus dem Handgelenk.....Ich hab ihn.

Eine mittelprächtige Äsche vielleicht. Aber kein Ruckeln in der Rute. Eher ein kräftiges, gleichmäßiges Abziehen der Schnur.
Ich drille den Fisch vorsichtig heran um ein Ausschlitzen des Hakens in dem zarten Äschenmaul zu verhindern.

Doch statt der erhofften Äsche zappelt ein Barsch am Vorfachende und starrt mich mit seinen schwarzen Augen an. Naja, besser als nichts.

Auch ein Barsch kann Freude machen.

Ich habe noch einen Anbiss eines Interessenten, aber der war wohl zu schnell für mich.

Wir wechseln abermals den Standort und fahren auf die andere Uferseite des Kvisselströmmen.

Durch Unterholz und Sommerwiesen kämpfen wir uns zum Fluss vor.
Hier gibt es einige Stromschnellen, kleine Wasserfälle und tiefe Gumpen.
Ich beschwere mein Vorfach mit einem Bleischrot um die Nymphe schnell auf tiefe zu bringen.
Es ist nicht einfach der Nymphe lange genug Zeit zu verschaffen um im Gumpen absinken zu können.
Der Fluss ist reißend und die Gegenströmung ist auch nicht zu unterschätzen.

Hier gibt es wohl keine Fische die sich für Touristenfliegen interessieren.
Wir fischen die ganzen Fliegenmuster durch. Absolut nichts. Egal ob Nymphe, Emerger, Steinfliegenlarven, Gammarus, Trockenfliege oder Streamer. Alles wird konsequent verweigert.

Die Sonne neigt sich dem Horizont entgegen. Frustriert und hungrig machen wir uns auf den Heimweg.
An der Tankstelle in Ytterån genehmigen wir uns zum Abendessen einen dicken Hamburger mit Pommes.

Gegen 23 Uhr sind wir zu Hause.

Todmüde fallen wir ins Bett. Mit der Hoffnung, dass der morgige Tag erfolgreicher sein wird.

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