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Angelberichte > Angeln in Jämtland
Kaffeeduft durchzieht das Haus.
Hans-Eckhard konnte wohl nicht mehr schlafen und hat sich daran gemacht den Frühstückstisch zu decken.
Also raus aus den Federn.
Wir sitzen am Frühstückstisch. Außer Eier, Marmelade, Wurst und Käse stehen noch Fladenbrot, Lachs, Rentierschinken und Caprinost ( eine Ziegencamenbertart die es wohl nur in Jämtland gibt ) als „einheimische“ Delikatessen auf dem Tisch.
Wir lassen es uns gut und reichlich schmecken.
Schließlich wollen wir nach Valsjöbyn an den berühmten Wasserfall und zum Rengströmmen.
Wir hoffen dort einen farbenprächtigen Saibling oder eine große Forelle zu fangen.
Valsjobyn liegt ca. 120 km nordwestlich von Östersund, direkt an der norwegischen Grenze.
Die Verbindung des norwegischen Rengensees mit dem, auf schwedischer Seite liegendem, Valsjobynsee wird durch einen mehrstufigen Wasserfall abgeschlossen.
Hier lauern die berühmten, aber weiß Gott nicht leicht zu fangenden Großforellen.
Die größten Forellen werden auf Holztafen gelegt, die Umrisse aufgemalt und dann die „Holzforelle“ ausgesägt. Nachdem der Name des Fängers und das Fangdatum verewigt wurden, wird das gute Stück an die Wand des Haupthauses des Anglercamps genagelt.
Da die eine Wand des Hauses fast zugenagelt ist, wird wohl bald eine andere Hausseite damit geschmückt.
Wir haben unsere Brotzeit verstaut und fahren auf dem „Fiskeväg“ in Richtung Hotagen.
Es regnet wieder.
Immer wieder kommen wir an kleinen und größeren Seen und Flüssen vorbei.
Es ist wenig los auf den sowieso wenig befahrenen Straßen. Auch in den Ortschaften sieht man kaum jemanden auf den Beinen. Die Nachwehen der Midsommarfeiern fordern wohl ihren Tribut.
Leichte Zweifel keimen in uns auf ob wir jemanden im Fischercamp antreffen der uns eine Angelkarte verkaufen kann.
Es hat aufgehört zu regnen und die Sonne kämpft mit den Wolken.
Nach 1 Stunde Fahrt erreichen wir Valsjobyn.
Niemand zu sehen. Jeder Laden, jedes Geschäft hat das obligatorische „Stängt“-Schild an der Tür hängen.
Wo wir hinsehen. Alles geschlossen.
Frustriert klappern wir alle Gebäude ab. Am Kiosk haben wir Glück. Ein älteres Paar hat Midsommer gut überstanden und kann uns Angelkarten verkaufen.
Wir geben ihnen die obligatorischen 60 Kronen und segnen sie.
Wir fahren zum Parkplatz und machen uns gleich daran unsere Gerät zu montieren.
Ich habe Hunger.
Während Hans-Eckhard noch mit dem Zusammenbau seiner Rute beschäftigt ist, lasse ich mir mein Fladenbrot mit Lachs schmecken.
Unsere erste Anlaufstelle ist natürlich der große Wasserfall. Auf dem Weg dahin kommen wir an einer „Maistång“ vorbei. Um diesen Maibaum wird nach alter Sitte getanzt. Aber wir sind zum Fischen hier.
Der „Maibaum“ von Valsjobyn
Wir gehen 100 m weiter zum Wasserfall. Als wir dort ankommen sehen wir 2 einheimische Angler dort stehen.
Am Vormittag nach Mittsommer sind tatsächlich menschliche Wesen anzutreffen. Unsere Plätze sind besetzt. Haben die kein zu Hause ? Einer blinkert, der andere versucht es mit der Pose und Maden.
Ich frage höflich ob sie denn schon etwas gefangen hätten ? Nein, haben sie nicht.
Ob die Fische denn wenigstens beissfreudig sind ? Auch diese Frage wird verneint. Ich bemerke einen leicht genervten Unterton.
Wir beschließen stromauf zu gehen und am Auslauf des Rengensees zu fischen. Dort hatten wir, einige Jahre früher, in einer warmen Sommernacht einen schönen Schlupf erlebt der uns einige schöne Fische brachte.
Heute ist das Wetter sehr wechselhaft. Ich würde es als typisches Aprilwetter einordnen. Dazu auch nur 13°C „warm“.
Endlich Sonne
Der Wind frischt auf. Die gekräuselte Oberfläche beginnt sich in ein Wellenmeer zu verwandeln. An präzise und weite Würfe ist nicht mehr zu denken.
Wir beschließen nach zu sehen ob unsere schwedischen Kameraden noch den Wasserfall belagern.
Ich genehmige mir auf dem Weg dorthin noch einen Schokoriegel. Gut das eine Fliegenweste so viele Taschen hat.
Als wir wieder unterhalb des Wasserfalls ankommen ist niemand zu sehen. Der Erfolg scheint bei unseren „Vorgängern“ ausgeblieben zu sein. Das Waten ins Wasser gestaltet sich schwieriger als ich dachte.
Durch den Wasserfall ist die Oberfläche ständig gekräuselt, wodurch die Sicht auf den Grund stark behindert ist.
Meinen Watstock habe ich natürlich nicht dabei. Also vorsichtig einen Schritt nach dem anderen.
Die vereinzelten, großen und zum Teil mit Kraut bewachsenen Steine machen die Sache nicht einfacher.
Ich habe mich halbwegs vernünftig positioniert.
Hans-Eckhard wählt eine Stelle unterhalb von mir.
Ich knote ein 2 m langes Vorfach an. Mit der Hoffnung auf eine Großforelle krame ich meine Schachtel mit den Streamern aus.
Ich bin ein „verrückter“ der mit Maraboufedern gebundene Streamern nicht widerstehen kann. Also nur noch die Farbe und Größe wählen. Ich entscheide mich bei dem trüben Wetter für einen schwarzen mit ein wenig roten Federn.
Schnell wird mir klar, dass der Wind und anschließend die Strömung ein Streamerfischen nicht besonders Erfolg versprechend sind.
Ich verabschiede mich von dem Gedanken ein Holzbrett und eine Stichsäge auszuleihen.
Die Wand an der Hütte wird ohne mich auskommen müssen.
...........................Hier lauern die Großforellen............................Am Wasserfall...................
Ich tausche den Streamer gegen eine braune 12-er Tungstenkopfnymphe mit Goldkopf.
Bei dieser Tiefe und Strömung hier muss die Nymphe schnell in Grundnähe gebracht werden.
Ich werfe, sofern das halbwegs möglich ist, schräg stromauf zum Wasserfall.
Die Strömung drückt die Schnur in meine Richtung. Ich beschließe schräg stromab zu werfen und Schnur nachzufüttern.
Einige Hänger später geht ein leichter Zupfer durch meine Rute. Kurzer Anhieb. Los geht’s.
Kleine ruckartige Fluchte folgen.
Ich drille eine mäßige Äsche zu mir heran. Mit einem letzten Sprung will sie sich von dem Haken befreien. Aber das übernehme ich gleich für sie.
Ein letzter Sprung
Danach geht längere Zeit nichts mehr.
Ich erinnere mich an ein Erlebnis am Långan. Es war im April. Das Land war noch dick mit Schnee überzogen.
Ich stapfte durch den knietiefen Schnee um an den Fluss zu gelangen.
Im Uferberich sah es von weitem so aus als hätte jemand Split gestreut. Nachdem ich mich dem Uferbereich genähert hatte sah ich mir die Sache genauer an.
Was ich sah verblüffte- und faszinierte mich zugleich.
Hunderte, nein, Tausende von Steinfliegen waren aus dem Wasser gekrochen und warteten auf den richtigen Moment zur Paarung und Eiablage.
Wenn es am Långan reichlich Steinfliegen gab, warum dann nicht hier ?
Und wenn es welche hier gibt, dann werden die Fische sich solche Leckerbissen nicht entgehen lassen.
Die Tungstennymphe hat ihre Schuldigkeit getan.
Ich verordne ihr eine Pause in meiner Nymphendose und knote eine schwarze Steinfliegennymphe in Große 10 an.
Drei Würfe und schwupps, Hänger, abgerissen. Geht gut los.
Da meine fliegenbinderischen Fähigkeit sich eher im durchschnittlichen Bereich bewegen, sich die Steinfliegennymphen sich aber sehen lassen konnten, war ich auf diese 2 gebundenen Exemplare besonders stolz.
Ein Versuch blieb mir also noch.
Die letzte der schwarzen Brummer an die 12-er Vorfachspitze geknotet und mit den besten Wünschen auf die Reise geschickt.
Nach wenigen Augenblicken kam der Adrenalinstoß.
Leicht mit dem Handgelenk anschlagen. Sitzt !
Eine Flucht zur Strommitte wird von mir energisch unterbunden. Es ruckelt in der Rute.
Kurz darauf kommt der „Flüchtling“ auf mich zugeschossen. Jetzt heißt es schnell die Rute hochnehmen und Schnur aufnehmen was das Zeug hält. Kurz vor meinen Füßen gibt es eine Kehrtwendung und eine Bachforelle schießt, sich wild schüttelnd, aus dem Wasser.
Noch eine kleine Flucht und es darf gekeschert werden.
Eine 35 cm lange, schlanke, aber kampfstarke Bachforelle wird vorsichtig abgehakt und wieder in ihr Element entlassen.
Hans-Eckhard hatte kein Glück.
Da sich nichts mehr zum Anbiss verleiten lässt und ich Hunger habe, beschließen wir den kurzen Fußmarsch zurück zum Auto und einen Standortwechsel.
Nachdem wir uns gestärkt haben verlassen wir Valsjobyn und fahren in Richtung Hotagen an den Rengströmmen.
Ein Teil des Rengströmmen wurde früher für die Firma ABU ( als sie noch nicht ABU-Garcia hieß ) als Teststrecke reserviert.
Von der Straße aus sticht uns ein viel versprechendes Flussstück ins Auge.
Dicke Felsbrocken brechen die Strömung. Tiefe Gumpen müssten dort sein. Und dahinter Gegenströmung. Das muss doch ein Paradies für Fische und Angler sein.
Schnell haben wir die Wathose und Fliegenweste angelegt und machen uns auf den Weg ans Wasser.
Da der Baumbewuchs bis fast ans Wasser reicht wähle fingere ich eine braune 12-er Nassfliege mit grünem Körper aus.
Diese Köcherfliegenimitation sollte mir den Weg zu den gierigen Mäulern in der Tiefe zeigen.
Ein letzter Rückschwung und dann die Fliege sauber oberhalb des großen Felsbrockens platzieren.
Doch als ich die Schnur nach vorne schießen lassen will kommt dieser Ruck den jeder Fliegenfischer hasst.
Wie eine unsichtbare Hand wird die Schnur festgehalten. Die Fliege hängt wunderbar in der Birke.
Das sie in einer Höhe hängt die für mich unerreichbar ist versteht sich von selbst.
Mit Worten, die nicht druckreif sind, reiße ich das Vorfach ab.
Also ein neues Vorfach an die Schwimmschnur Größe 6 anknüpfen und die Fliegendose wieder aus der Weste fingern.
Jetzt soll es eine behechelte 12-Tungstennymphe mit kupferfarbenen Kopf bringen.
Diesmal habe ich die Birke bei jedem Rückschwung im Blick. Ich platziere meine Würfe mal vor-, mal neben-, mal hinter den Felsen.
Aber es meldet sich kein Interessent für meine Nymphen.
Ich laufe Stromab zu der Stelle, an der der Fluss einen scharfen Knick nach links macht und stelle mich auf einen großen Felsbrocken der nur ein paar Schritte vom Ufer im Wasser steht.
Von hier oben kann ich prima werfen, ohne Angst haben zu müssen das ein „Birkenarm“ nach meinen Fliegen greift.
Das Wasser fließt hier etwas gemächlicher. Eine schöne Stelle. Schnell werfe ich stromauf um meiner Nymphe genug Zeit zum Absinken zu geben. Ich fische nach wie vor mit einer Schwimmschnur der AFTMA-Klasse 6 und einem 2 m langen 12-er Vorfach.
Ein paar Würfe später erbarmt sich eine Bachforelle meiner 12-er Hasenohrnymphe.
Wie vom wilden Watz gebissen schießt sie auf den Felsen zu, so dass ich unwillkürlich an einen Crashtest denken musste.
Kurz vor dem Felsen kommt sie zur Besinnung und dreht ab in die Strömungsmitte.
Aber nicht mit mir meine Liebe. Unter gefühlvollem Zug dirigiere ich sie wieder in das ruhigere Fahrwasser und drille sie dort aus.
Nach der Landung entferne ich schonend den Haken und entlasse sie mit den besten Wünschen wieder in das kalte Nass.
Ein Blick auf die Uhr und mein knurrender Magen zeigen mir das es spät geworden ist.
Ich erkundige mich bei meinem Mitstreiter nach dessen Stimmungslage.
Sie ist schlecht.
Wir beschließen es für heute gut sein zu lassen und schlendern zum Auto zurück.
Eine Stunde später sind wir wieder zu Hause. Heute darf ich als erster Duschen.
Nachdem wir uns frisch gemacht und zu Abend gegessen haben, packen wir die Bindestöcke aus.
Unsere Fliegendosen sehen mittlerweile sehr „übersichtlich“ aus.
Es wird Zeit wieder aufzurüsten.
Wir sortieren unsere Errungenschaften die wir in Östersund, im Angelladen gekauft haben. Haken, Dubbing, Tinsel und diverses Material das wir noch nicht in dieser Form kannten. Und das alles zu Preisen die einen deutschen Händler ins Armenhaus gebracht hätte. Wir binden uns diverse Muster und Größen um für die letzten 2 Tage gerüstet zu sein.
Nach knapp 2 stündiger Handarbeit packen wir die Bindestöcke bei Seite und beschließen morgen an den Damån ( siehe Teil 2 ) zu fahren.
Der Wetterbericht verspricht für morgen einen schönen Tag.
Wir lassen uns mal überraschen.
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