Wolfgang`s Angelseite


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5. Tag

Angelberichte > Angeln in Jämtland

Unser letzter Tag ist angebrochen.

Morgen früh geht es wieder nach hause. Wir haben beschlossen, heute bis zum frühen Nachmittag noch einmal am Hakån bei Föllinge zu fischen, den wir schon am ersten Tag beangelt haben.

So schließt sich der Kreis.

Nach einem üppigen Frühstück verstauen wir unsere Angelutensilien im Auto und fahren Richtung Föllinge.
Nach einer guten halben Stunde sehen wir die Brücke und den „Campingplatz“ am Hakån.

Wir fahren über die Brücke und lassen den „Campingplatz“ rechts liegen. Zur Mittagszeit wollen wir dort fischen. Jetzt wollen wir erst mal an schnelleres Wasser.
Kurz mal einen Blick aus dem Autofenster werfen ob die Fische heute steigfreudig sind oder ein Insektenschlupf auszumachen ist.

Nichts zu sehen. Eine Minute später stellen wir den Wagen ab und laufen durch den Wald.
Nach einem kleinen Fußmarsch haben wir unser Ziel erreicht.

Es ist windig. Gelegentlich blinzelt die Sonne durch den dunstigen Wolkenschleier. Es könnte ein schöner Tag werden. Vielleicht sogar mit sommerlichen Temperaturen.

Ich wate ein wenig in den Fluss hinaus um besser werfen zu können. Auf Hänger in den Bäumen habe ich heute keine Lust.

Ob es ein erfolgreicher Tag wird ?


Ich habe mein Vorfach verlängert. Es ist tief hier. Die Vorfachlänge sollte mindestens 3, 50 m betragen. Je länger, umso besser.

Auch die Nymphen sollten gut beschwert sein. Tungstennymphen sind sicherlich eine gute Wahl.

Ich werfe stromauf in die Strömungskante und hoffe der Nymphe genug Zeit zum absinken zu geben, aber die Sache gestaltet sich schwierig.

Die Strömung ist recht stark und so bleibt meinem Köder nicht viel Zeit um auf sich aufmerksam zu machen. Dennoch, ein zarter Anbiss verrät Interesse.


Ich probiere noch einige male mit den Flossenträgern in Kontakt zu treten, aber egal welche Nymphe ich präsentiere, alles wird für nicht akzeptabel gehalten.

Hans-Eckhard geht es auch nicht besser.

Wir packen zusammen und suchen den „Campingplatz“ etwas früher auf als geplant. Die Sonne kommt jetzt mit Macht durch die Wolken. Die Temperatur steigt merklich an. Auch der Wind hat nachgelassen.

Hans-Eckhard hat keine Lust mehr auf Wanderungen. Er bleibt in der Nähe unseres Autos und beginnt damit die Rute zu schwingen.
Ich wate durch den moosigen, leicht sumpfigen Untergrund. Weiter zu einer kleinen Landzunge hinter der sich eine kleine, stillwasserähnliche Bucht befindet.

Tolles Kehrwasser denke ich. Hier rechts von mir die Bucht mit einer spiegelglatten Wasseroberfläche, links die Hauptströmung. Das schreit nach Fisch. Die Hauptströmung drückt das Wasser in die Bucht und an der Landzunge wieder zurück in den Hauptsrom.

Ich stelle mich an die Spitze der kleinen Landzunge und schaue auf die Schnittstelle der Strömung an der sich das Stillwasser mit der Hauptströmung vereint.

Was war das?

Habe ich mir das eingebildet? War das Wunschdenken oder tatsächlich ein steigender Fisch kurz vor mir?
Da, wieder. Deutlich konnte ich eine buckelnde Äsche ausmachen. Wie ein Luft holender Delphin sah das aus. Nur die Rückenflosse durchbrach die Wasseroberfläche.

Aha, schießt es mir durch den Kopf, die Kameraden stehen auf aufsteigende Nymphen. Was soll ich nehmen? Mit Aufsteigernymphen bin ich nicht besonders gut sortiert. Doch halt, ich habe mir doch eine Klinkhamer mitgenommen als Hans-Eckhard seine Rute gekauft hat. Schnell montiere ich die Fliege ans Vorfach und platziere sie in der Strömungskante.

Die Drift nimmt meine Fliege mit. Weit kommt sie nicht. Eine Äsche schnappt beherzt zu und taucht nach unten ab. Sie hakt sich praktisch selbst.

Es folgt ein vorsichtiger Drill mit einigen kurzen Fluchten, dann ist sie bereit für den Kescher.
Eine schöne Hakånäsche, Super. Der erste Wurf und schon was gefangen.
Ich lege die Klinkhamer abermals nur 5m entfernt ab und lasse sie treiben.

Beim 4 Wurf wird sie wieder genüsslich eingeschlürft. Wieder ein kurzer Drill und dann entlasse ich auch diese Äsche wieder in ihre Freiheit. Dieses Schauspiel sollte sich 5 Würfe später wiederholen.

Ich will Hans-Eckhard an dem Spaß teilhaben lassen und stapfe durch das nasse Moos zu ihm. Es ist warm geworden. Die Sonne scheint jetzt kräftig vom Himmel herab.
Es zeigen sich jetzt auch vereinzelt geschlüpfte Insekten auf der Wasseroberfläche. Wie kleine Segelboote treiben die Fliegen auf dem Wasser. Hauptsächlich Eintags- und Köcherfliegen. Maifliegen sind noch keine
auszumachen.
Als ich bei Hans-Eckhard ankomme ruft er mir gleich die obligatorische Frage entgegen.

„Und, schon was gefangen?“.

Ich erzähle ihm mein Erlebnis. Natürlich glaubt er es nicht. Bei ihm hat sich nicht einmal etwas zum Zupfen auffordern lassen.
Als ich ihm hoch und heilig verspreche dass die Geschichte wahr ist macht er sich mit auf den Weg zu meinem Standplatz.
Kurze Zeit später stehen wir Seite an Seite und werfen unsere Fliegen aus. Es kommt wie es muss. Ich fange eine Äsche nach der anderen und mein Kollege geht leer aus.

Da ich schon einige Drills hinter mir hatte, biete ich ihm meine Klinkhamer an. Ich schneide sie vom Vorfach und überreiche sie ihm.

Aber was nehme ich jetzt?

Meine Wahl fällt auf die braune Trockenfliege die mir am Damån die schöne Äsche beschert hat. Wieder beginnen wir fast parallel zu Fischen. Sanft fällt meine Fliege aufs Wasser. Der Anblick einer treibenden Trockenfliege begeistert mich immer noch.

Plötzlich ein Schwall. Meine Fliege taucht in die Tiefe und meine Schnur strafft sich. Da war aber jemand gierig.
„Gibt’s doch gar nicht“ entfährt es meinem Mitstreiter, dem dieser Vorgang nicht verborgen blieb. „Doch“ sage ich, das geht hier schon die ganze Zeit so. Die Äsche kämpft gut. Es ist eine „Mittdreißigerin“.

Die „Braune“ hat’s wieder gebracht. Mein Bruder tut mir leid. Ich habe schon etliche Fische gefangen und er noch nicht einmal einen Anbiss gehabt.

Ich lege meine Rute bei Seite und gebe ihm Anweisungen.

„Wirf dort hin und lass sie treiben“.

Er macht 2 Würfe. Eine Äsche steigt nach der Klinhamer, aber Hans-Eckhard schlägt zu früh an.

Diese „Drama“ wiederholt sich noch 2-mal.

„Du bist zu hektisch. Fische die Würfe doch mal richtig aus und strippe die Fliege nicht. Die haken sich beim Abtauchen meistens selbst“.
Die Äschen sind von meinem Drill nicht vergrämt. Sie Nymphen mal mehr, mal weniger dicht in unserer Nähe. Er macht was ich ihm sage ( was bei älteren Brüdern wohl selten vorkommt ) und tatsächlich erbarmt sich eine Äsche, nimmt die Fliege und hakt sich beim abtauchen selbst. Kurz darauf darf auch Hans-Eckhard eine schöne Äsche vom Haken befreien.

Ich fange noch 2 Stück, er nichts mehr. „Die Klinkhamer bringt doch nichts“ kommt die Beschwerde an mich.

„Willst du meine Braune? Wir können gerne wieder tauschen“. „Mir egal“.

Also ja.

Wir tauschen die Fliegen. Die Klinkhamer hängt wieder an meinem Vorfach. Zack. Da zieht die nächste Äsche Schnur von meiner
Rolle. Ich kann mich kaum halten vor Lachen.

„Das ist deine negative Ausstrahlung. Deshalb fängst du nichts“

Hans-Eckhard kann nicht darüber lachen.

Wir fischen noch ein Stunde weiter, dann ist der Spuk vorbei. Es geht nichts mehr. Es herrschen jetzt tatsächlich sommerliche Temperaturen. „Ist ja klar, jetzt da wir abreisen wird’s warm und der Insektenschlupf beginnt. Jetzt fangen die an zu steigen. Wir sind eine Woche zu früh hier. Ich könnte mich übergeben“ ( der Wortlaut wurde von mir überarbeitet ) schimpft Hans-Eckhard.

Ich habe vollstes Verständnis für seine Gemütslage. Wir schauen auf die Uhr. Es ist Zeit zum Einpacken. Schließlich müssen wir für die Abreise alles fertig machen.

Im Auto bin ich am Rechnen. Wir haben zusammen 13 Äschen gefangen. Bisse nicht gerechnet.

Der erfolgreichste Angeltag macht uns den Abschied nicht leichter.

Am frühen Morgen des nächsten Tages machen wir uns auf den Weg nach Süden.
Nach 7 stündiger Fahrt erreichen wir Nyköping. Als wir an der Nyköpingå vorbei fahren fällt mir der eine Bericht in einer schwedischen
Angelzeitung ein.

„Hier gibt es Lachse drin“.

„Quatsch. In dem kleinen Rinnsaal“. Hans-Eckhard will es nicht glauben. „Doch. Hab’ ich gelesen. Und außerdem sind die dänischen Auen auch nicht größer und da gibt’s auch Meerforellen und Lachse drinnen“.

Wir schauen noch einmal kurz zum Wasser, dann biegen wir links zum Flughafen ab.

Wir parken das Auto und laden unser Gepäck aus. In der Wartehalle sticht mir sofort ein etwa 2m hohes, quadratisches Glasgebilde ins Auge. Dieses Monstrum ist bis zur Hälfte mit Nagelfeilen, Scheren in allen Größen, Taschenmesser usw. gefüllt.

„Das ist ja witzig. Sind bestimmt alles Teile die im Handgepäck vergessen wurden“. „Sch….“
„Was ist?“ Ich schaue Hans-Eckhard erschrocken an. „Ich habe das Nageletui vergessen in den Koffer zu tun“.

Ich glaube es nicht. Gestern Abend beim packen musste ich mir eine geschlagenen Stunde anhören was ich auch ja nicht im Handgepäck lassen soll.

Und meine Fliegendosen, dieFliegenweste mit Hakenschärfer, Lösezange usw. die ich in meiner Wathose verstaut habe, die ich als Handgepäck nehmen will, das gibt mit Sicherheit Ärger muss ich mir mehrmals sagen lassen.


Und jetzt muss er sich seines teuren Inhaltes des Nageletuis entledigen. Ich lasse ihn mit seinem Frust und unseren Koffern alleine und bringe das Auto zurück zur Vermietstation.

Als ich wieder in die Wartehalle komme hat er das Gepäck aufgegeben. Wir nehmen jeder unser Handgepäck.

Ich meine Tasche mit der voll gestopften Wathose und er sein Etui mit der neuen Fliegenrute, sowie seine Fliegenweste mit den Fliegen

Wir gehen zum Einchecken.

Ich entscheide mich für den älteren Herrn zu meiner rechten. Hans-Eckhard nimmt das linke Band mit dem jungen Mitarbeiter.

Ich lege meinen Hosengürtel und die Tasche mit der Wathose aufs Band, mache artig meine Arme auseinander und kann anschließend, ohne Probleme meine Sachen in Empfang nehmen.

Bei Hans-Eckhard stockt es. Ich warte. Es dauert länger als ich dachte. Kein gutes Zeichen. Ich geh zu ihm und frage was los ist.


Er kann seinen Zorn nur mit Mühe unterdrücken.

Der junge, offenbar sehr dienstbeflissene, Sicherheitsbeamte hat keinerlei Verständnis dafür dass diese „tödlichen“ Fliegen als Handgepäck in den Flieger gebracht werden sollen.

Wir reden mit Engelszungen auf ihn ein. Es nutzt nichts. Diese Mordwaffen dürfen nicht ins Flugzeug und sollen als Sperrgut aufgeben werden.

Sicher. Wir wären dann nur eine gute Stunde unterwegs, würden unseren Flieger verpassen und der Spaß kostet mehr als unser Flug.

Am Flugschalter der Ryan-Air gibt man uns den Rat, die Fliegenrute und sonstiges Angelzubehör doch für einen Pauschalpreis von 25 € als Sportgepäck aufzugeben.

Unabhängig von der Größe und vom Gewicht kann man, am besten nach Vorankündigung, bei Ryan-Air so genanntes „Sportgepäck“ für den Pauschalpreis von 25 € aufgeben.

Also ist Hans-Eckhard sein „Handgepäck“ noch losgeworden und wir konnten in den Flieger steigen. Die Maschine hob, bei schönstem Sommerwetter, pünktlich ab.

Über der Ostsee zogen sich aber schon die Wolken zusammen.
Als wir deutschen Luftraum erreichten kam die Durchsage des Kapitäns.

Es würde schwere Turbolenzen geben, der Flughafen Hahn sei gesperrt und wir würden wahrscheinlich zu einem anderen Flughafen umgeleitet.










Die in der Reihe neben uns sitzende Dame drückte die Hand ihres Begleiters und signalisierte leichtes Unbehagen.
Die Maschine wurde wie von einer großen Hand gepackt und mächtig durchgeschüttelt. Ich blickte aus dem Fenster um irgendetwas erkennen zu können. Es war rundum alles milchigweiß. Eine Orientierung war absolut unmöglich.

Der Kapitän meldete sich noch einmal mit der Nachricht, dass wir längere Zeit Schleifen fliegen müssten, bis klar wäre wo- und wann wir landen könnten. Diese Durchsage veranlasste unsere Nachbarin dazu sich in den Arm ihres Mannes zu krallen.

Da ich am Fenster saß wurde ich von diesem gefragt ob ich schon etwas erkennen könnte. „Ja, da unten ist der Eifelturm“.
Die Augen und der Mund des Nachbarn weiteten sich gleichzeitig. „Nein, ich kann absolut nichts erkennen. Keine Ahnung wo wir uns zurzeit befinden.“

Ich schloss die Augen und an mir zogen die Bilder der letzten Angeltage vorüber.

Zum Glück war eine Landung in Frankfurt/Hahn nach einer zusätzlichen Stunde "Ehrenrunden drehen" dann doch wieder so weit Unwetter frei das wir landen konnten.

Ungeduldig nahmen wir unser Gepäck entgegen und machten uns auf den Heimweg. Wir haben uns vorgenommen, im Winter unseren merklich geschrumpften Bestand an Fliegen wieder auf zu füllen.

Über was wir beim Fliegenbinden sprechen werden weiss ich jetzt schon.

Über die Äschen und Forellen aus Jämtland.


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